Regina Palast München: Geschichte, Architektur und heutiger Standort

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Regina Palast in München: Vom Luxushotel zum städtischen Erinnerungsort

Wer heute am Maximiliansplatz 5 in München steht, sucht die elegante Hotelfassade von einst vergeblich. Das Gebäude, das zwischen 1908 und 1975 als Regina Palast eines der ersten Häuser der Stadt war, hat seine ursprüngliche Hülle verloren. Übrig blieben Teile des Vorbaus, einzelne Innenräume und vor allem eine dichte Sammlung von Geschichten, die mit Tanztees, einem historischen Jazzkonzert, einer Staatskrise und frühen deutschen Kinoproduktionen verbunden sind. Wer den Begriff Regina Palast in München hört, meint heute weniger das Gebäude selbst als ein Stück Stadtgeschichte, das in Filmen, Architekturakten und Stadtführungen weiterlebt.

Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Fakten um das ehemalige Hotel am Maximiliansplatz chronologisch ein, erklärt die Rolle des Bauherren Alois Seethaler und des Architekten Franz Lukas, beschreibt die Nutzung als Büro- und Gastronomiehaus und zeigt, warum das Haus bis heute in Kinogeschichte und Architekturdebatten präsent bleibt. Der Text richtet sich an Leserinnen und Leser, die mehr suchen als einen Wikipedia-Eintrag: Es geht um konkrete Daten, um die Verbindung zum Münchner Abkommen 1938, um den Drehort des Films Zwischen gestern und morgen mit Hildegard Knef und um die Frage, was vom Regina Palast heute noch sichtbar ist.

Bauherr Alois Seethaler und der Standort am Maximiliansplatz

Die Geschichte des Hauses beginnt nicht in München, sondern in Bad Reichenhall. Alois Seethaler betrieb dort das Hotel Axelmannstein, eines der angesehenen Häuser im bayerischen Kurort. Ab 1906 plante er gemeinsam mit Partnern ein neues Großstadtprojekt: ein Luxushotel in München, das die gehobene Reisegesellschaft der Jahrhundertwende ansprechen sollte. München erlebte um 1900 einen Hotelboom, getragen von Theatergästen, Wirtschaftsbürgertum und einer wachsenden Zahl internationaler Besucher.

Der gewählte Standort am Maximiliansplatz 5, an der Ecke zur Max-Joseph-Straße, lag in unmittelbarer Nachbarschaft zur Staatsoper, zur Bayerischen Staatsbank und zum Maximilianeum. Damit war das Haus Teil eines Ensembles aus Kultur, Verwaltung und Repräsentation. Seethaler gründete für das Projekt die A. Seethaler GmbH und beauftragte den Architekten Franz Lukas, der zu dieser Zeit als Mitarbeiter der Bauunternehmung Karl Stöhr tätig war. Der Bau wurde teils als Neubau, teils als Umbau eines bereits bestehenden Gebäudes ausgeführt. Die Bauarbeiten liefen 1907, die Eröffnung folgte 1908.

Architektur und Grundriss: München um 1908 zwischen Jugendstil und Klassizismus

Der Regina Palast war kein einzelner Solitär, sondern Teil einer Häuserzeile am Maximiliansplatz, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Stil eines geordneten Stadtforums angelegt worden war. Die Architektur des Hotels bewegte sich zwischen klassizistischer Strenge und jugendstilhafter Eleganz, wie sie für Münchner Großbauten vor dem Ersten Weltkrieg typisch war. Die Hauptfassade zeigte eine klar gegliederte Steinoberfläche mit großen Fensteröffnungen, die den Blick auf die Festräume im ersten und zweiten Obergeschoss freigaben. Im Inneren konzentrierten sich die repräsentativen Bereiche auf einen großen Ballsaal, mehrere Festsäle, ein Restaurant, eine Hotelhalle und die für die damalige Zeit selbstverständlichen Lesezimmer.

Bereich Funktion Typische Nutzung um 1910
Erdgeschoss Foyer, Rezeption, Restaurant, Kaffeehaus Tagesgäste, Geschäftsreisende, Stammtische
Erstes Obergeschoss Fest- und Ballsaal, kleine Salons Bälle, Banquette, Tanztees, Vereinsempfänge
Folgende Obergeschosse Gästezimmer, Suiten, Personaltrakt Langzeitgäste, Künstler, Diplomaten
Dachgeschoss Dienerschaft, Wäscherei, Küchenanbau Logistik der Großküche
Kellergeschosse Weinkeller, Lagerräume, Heizung Versorgung, Vorratshaltung, frühe Haustechnik

Franz Lukas orientierte sich an den monumentalen Stadtpalais der Gründerzeit, vermied aber zu viel Ornament. Diese zurückhaltende Linie wurde später oft als typisch für die Münchner Hotelpaläste der Vorkriegszeit beschrieben, da sie einerseits Repräsentation erlaubte und andererseits die große Fensterfront nicht überfrachtete. Wer im Sommer 1913 durch die Max-Joseph-Straße ging, erlebte ein Haus, das zwischen Oper, Hofgarten und der damaligen Prinzregentenstraße visuell vermittelte.

Hermann und Ernst Volkhardt: Pächter einer Münchner Institution

Nach der Eröffnung 1908 übernahm Hermann Volkhardt die Geschäftsführung des Hauses. Die Familie Volkhardt stand für eine Generation von Hoteliers, die aus dem schwäbisch-bayerischen Raum kamen und in München zwischen 1900 und 1930 mehrere mittelständische Luxushäuser führten. Nach dem Tod von Hermann Volkhardt ging die Leitung an seinen Sohn Ernst Volkhardt über. Die Familie prägte das Programm des Hauses entscheidend: Sie setzte auf klassische Hotellerie, auf Veranstaltungen mit Münchner Vereinen und auf eine kontinuierliche Belegung durch Geschäftsreisende.

In den ersten Jahren lief der Betrieb weitgehend im Hintergrund der Stadtgeschichte. Das änderte sich mit dem Ersten Weltkrieg. Wie viele Münchner Häuser wurde auch der Regina Palast teilweise als Lazarett und Erholungsunterkunft genutzt. Nach Kriegsende und der Münchner Revolution 1918/19 normalisierte sich der Betrieb nur langsam. Erst Mitte der 1920er Jahre erreichte das Haus seine kulturelle Hochphase: Bälle, Tanztees und die ersten überregional beachteten Jazzveranstaltungen machten den Regina Palast über München hinaus bekannt.

Die erste deutsche Jazz-Sendung im April 1924

Im April 1924 fand im Regina Palast eine Veranstaltung statt, die in mehreren Rundfunkgeschichten als die erste Jazz-Sendung in einem deutschen Radiosender dokumentiert ist. Die genauen Details der Übertragung sind in den Archiven nur grob rekonstruierbar, fest steht aber, dass die damalige Deutsche Stunde in Bayern und andere frühe Sendeanstalten in dieser Zeit experimentierten. München galt in den 1920er Jahren als eine der offenen Städte für neue Musikstile, nicht zuletzt wegen der amerikanischen Besatzungstruppen nach dem Ersten Weltkrieg und der Präsenz internationaler Bühnen im Deutschen Theater und im Lustspielhaus.

Die wirtschaftliche und kulturelle Öffnung der Weimarer Republik ermöglichte solche Experimente. Für den Regina Palast bedeutete das Jazzkonzert einen Imagewandel: Das Haus, das traditionell dem Tanztee und dem klassischen Ball zugeordnet war, öffnete sich einer modernen, urbanen Klientel. Diesen Wandel verdeutlicht auch die Tabelle der wichtigsten Veranstaltungsformate, die im Haus zwischen 1910 und 1930 nebeneinander stattfanden.

Veranstaltungsform Zielgruppe Typische Uhrzeit Bekanntheit über München hinaus
Tanztee Bürgertum, Vereine Nachmittag Hoch, regelmäßige Berichte in der Münchner Presse
Opernball, Chrysanthemenball Wirtschaft, Adel, hohe Beamte Abend bis Mitternacht Sehr hoch, überregionale Berichte
Jazzabend, Tanzkapelle Jüngere Stammgäste, Künstler Spätabend Wachsend, besonders ab 1924
Vereinsempfänge, Vorträge Gesellschaftliche Verbände Früher Abend Lokal, aber konstant

Tanzsportverein Gelb-Schwarz-Casino und die Münchner Ballsaison

In den 1920er und 1930er Jahren war der Tanzsportverein Gelb-Schwarz-Casino München ein regelmäßiger Nutzer des Hauses. Der Verein gehört zu den ältesten Tanzsportclubs Deutschlands und veranstaltete über mehrere Jahrzehnte im Regina Palast Turniere, Gesellschaftsabende und die klassischen Bälle der Münchner Faschingssaison. Auch der Chrysanthemenball, der in München als Saisonabschluss der Tanzveranstaltungen galt, fand einige Jahre im Haus statt.

Für die Stadtgesellschaft waren diese Bälle wichtige Treffpunkte der gehobenen Schichten. Die Berichte in der Münchner Zeitung und anderen Blättern hoben die Blumendekoration, die Kapellen und die Reden der Schirmherren hervor. Die Bälle waren zudem Orte, an denen stadtpolitische Netzwerke gepflegt wurden, die später in Verwaltung und Wirtschaft der Weimarer Republik eine Rolle spielten. Der Regina Palast war damit kein reines Hotel, sondern eine Bühne der Münchner Öffentlichkeit.

Prominente Gäste zwischen 1935 und 1940

Zwischen 1935 und 1940 war das Haus zunehmend auch Residenz für eine Reihe bekannter Persönlichkeiten. Drei Namen tauchen in den Stadtquellen immer wieder auf:

  • Jacques Rosenthal, Sohn des gleichnamigen Porzellanhändlers, lebte von 1935 bis 1937 im Regina Palast. Die Familie Rosenthal war eine der großen jüdischen Kaufmannsfamilien Münchens; ihre Porzellan- und Silberhäuser galten als kulturelle Institutionen.
  • Arthur Eichengrün, Chemiker und Mitentwickler des Aspirin-Wirkstoffs Acetylsalicylsäure in der Bayer-Forschung, wohnte von 1939 bis 1940 im Haus. Eichengrün hatte in seinen letzten Lebensjahren unter erheblichen beruflichen Einschränkungen zu leiden, da er als jüdischer Wissenschaftler zunehmend aus der Öffentlichkeit gedrängt wurde.
  • Der Juwelier Karl Rothmüller betrieb im Erdgeschoss ein Juweliergeschäft, das zu den angesehenen Adressen für hochwertigen Schmuck im Münchner Innenstadtbereich gehörte.

Diese Beispiele zeigen, dass der Regina Palast über reine Hotellerie hinaus Treffpunkt einer breit gefächerten städtischen Elite war, die Kaufleute, Wissenschaftler und Künstler einschloss. Die Geschichten dieser Gäste sind in Archiven des Münchner Stadtmuseums, in Firmenchroniken und in wissenschaftshistorischen Darstellungen dokumentiert. Für die spätere Erforschung des Hauses ist diese Quellenlage entscheidend, weil sie konkrete Namen und Daten liefert, die über bloße Baugeschichte hinausgehen.

1938: Die britische Delegation und das Münchner Abkommen

Eine der folgenreichsten Episoden in der Geschichte des Hauses fällt in den September 1938. Die britische Delegation um Premierminister Neville Chamberlain, die zu den Verhandlungen über die sudetendeutschen Gebiete nach München kam, logierte im Regina Palast. Die Gespräche, die am 29. September 1938 zum Münchner Abkommen führten, fanden dagegen im Führerbau am Prinzregentenplatz statt, also einige Straßen weiter östlich. Der Regina Palast war in dieser Zeit weniger Verhandlungsort als Logistikzentrum der Delegation.

Die Episode ist in der Stadtgeschichtsforschung gut dokumentiert. Sie verbindet das Haus dauerhaft mit einer der umstrittensten diplomatischen Entscheidungen des 20. Jahrhunderts. Wer sich heute mit der Rolle Münchens in der Zwischenkriegszeit beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Namen des Hotels, weil Unterbringung, Empfänge und Pressearbeit der Delegation an die Adresse am Maximiliansplatz gebunden waren. Dieser Umstand erklärt, warum der Regina Palast in Reiseführern, Schulmaterialien und historischen Rundgängen immer wieder auftaucht, obwohl das Gebäude selbst nicht mehr in seiner ursprünglichen Form existiert.

Zweiter Weltkrieg: Bombentreffer 1944 und die Trümmerjahre

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 bei einem der alliierten Bombenangriffe auf die Münchner Innenstadt getroffen. Die Beschädigungen betrafen insbesondere die Hauptfassade, während Teile des Vorbaus und der Seitenflügel weniger stark beschädigt wurden. Nach dem Krieg wurde die beschädigte Fassade vollständig entfernt; nur der Vorbau zum Eingang mit dem ursprünglichen Eingangsportal blieb erhalten. Dieser Zustand prägt das Bild des Hauses bis heute.

Im April 1946 wurde das Hotel bei der städtischen Trümmerräumung vorgezogen. Die Stadtverwaltung wollte das Hotelgewerbe wieder in Gang bringen und nutzte den Regina Palast als eines der ersten Referenzprojekte. Die neue Fassade wurde vereinfacht wiederaufgebaut, ohne den prunkvollen Charakter der Vorkriegszeit zu erreichen. Aus heutiger Sicht ist genau dieser Kompromiss zwischen altem Portal und vereinfachter Hülle das, was Touristen am Maximiliansplatz sehen, wenn sie nach dem historischen Regina Palast suchen.

1946 bis 1949: Nachkriegsnutzung und die ersten Filmdrehs

Schon in den ersten Nachkriegsjahren wurde das Haus auch für die damals entstehende Münchner Filmproduktion interessend. Teile des Films Zwischen gestern und morgen mit Hildegard Knef wurden im Regina Palast gedreht. Der Film gilt als einer der frühen Beiträge der westdeutschen Nachkriegsproduktion, der die zerstörte Stadtlandschaft bewusst als Kulisse nutzte. Knef, die in dieser Zeit in mehreren Münchner und Hamburger Produktionen auftrat, war eine der ersten Darstellerinnen, die in den Trümmerfilmen der späten 1940er Jahre prägend wirkte.

Für die Kinogeschichte Münchens ist die Drehphase am Regina Palast ein wichtiges Beispiel dafür, dass die Filmstadt München nicht erst in den 1950er Jahren mit den Bavaria Film Studios in Geiselgasteig entstand, sondern bereits in den unmittelbaren Nachkriegsjahren an realen Schauplätzen der Innenstadt produzierte. Wer den Spielfilm Zwischen gestern und morgen im Archiv des Münchner Stadtmuseums oder im Filmmuseum sucht, findet Szenen, die direkt vor und in dem teilweise wiederhergestellten Hotel spielen.

Ab 1949: Faschingsbälle, Stammgäste und das Ende der Hotelnutzung

Ab 1949 fanden im Regina Palast wieder die großen Faschingsbälle statt, die in den 1920er Jahren eine stadtweite Bedeutung gehabt hatten. Damit knüpfte das Haus an seine Vorkriegstradition an, allerdings unter deutlich veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Münchner Hotellandschaft hatte sich durch den Krieg stark verändert. Mehrere traditionsreiche Häuser waren ausgebrannt oder schwer beschädigt, andere hatten ihre Profilierung verloren.

Über die 1950er und frühen 1960er Jahre hinweg verlor das Haus zunehmend an Bedeutung. Die wirtschaftliche Erholung der Stadt verlagerte das gehobene Segment zunehmend an die Maximilianstraße, an den Promenadeplatz und an den Flughafen. Der Regina Palast am Maximiliansplatz, dessen Fassade nicht mehr den ursprünglichen Glanz hatte, geriet zwischen die politischen Bauten, die Staatsoper, die Staatsbank und die Verwaltungsgebäude, die den Platz rahmen. In dieser Konstellation entschied sich der Eigentümer 1975, den Hotelbetrieb einzustellen und das Gebäude in ein Bürohaus mit Gastronomie umzuwandeln.

Haus Regina: Vom Hotel zum Bürogebäude 1975

Der Umbau zum Haus Regina 1975 markierte den eigentlichen Bruch in der Baugeschichte. Aus dem Hotel wurde ein Bürogebäude mit gewerblichen Erdgeschossflächen. Der Name Regina blieb am Eingang stehen, der Vorbau mit dem ursprünglichen Portal wurde in die neue Architektur integriert. Diese Mischung aus altem Eingangselement und moderner, sachlicher Bürofassade prägt das Bild bis heute.

Wer heute an der Adresse Maximiliansplatz 5 vorbeigeht, sieht ein mehrstöckiges Bürohaus, dessen Erdgeschoss von Gastronomie und Dienstleistungen genutzt wird. Das ursprüngliche Foyer, in dem einst Gäste empfangen wurden, ist nicht mehr als solches erkennbar. Die Gedenktafeln am Haus verweisen auf die historische Nutzung als Luxushotel und auf die prominente Belegung 1938. Damit bleibt der Name Regina Palast als Erinnerung sichtbar, auch wenn das Haus als Hotel nicht mehr existiert.

Was vom Regina Palast heute noch existiert

Wer den historischen Regina Palast in München besichtigen will, findet nur noch wenige sichtbare Spuren der Originalarchitektur. Die folgende Übersicht hilft bei der Orientierung vor Ort.

  • Vorbau mit Eingangsportal: Der am häufigsten zitierte Überrest des Originalbaus. Er steht an der Ecke Maximiliansplatz/Max-Joseph-Straße und bildet den Zugang zum heutigen Bürohaus.
  • Teile der Seitenflügel: Einige Grundrisse und Deckenhöhen lassen sich in den oberen Etagen noch nachvollziehen, sind aber für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
  • Gedenktafeln am Haus: Sie erinnern an die historische Nutzung und an prominente Gäste. Wer die Tafeln liest, bekommt einen direkten Bezug zur Vorkriegs- und Kriegszeit.
  • Archivquellen: Pläne von Franz Lukas, Bauakten der Stadt München, Fotosammlungen und Firmenchroniken dokumentieren das Haus wissenschaftlich. Die wichtigsten Bestände liegen im Münchner Stadtmuseum und im Stadtarchiv.
  • Filmquellen: Szenen aus Zwischen gestern und morgen und anderen Nachkriegsproduktionen, die in München spielten, zeigen den Regina Palast und seine Umgebung im Übergang von Trümmerlandschaft zu neuem Stadtbild.

Für Besucherinnen und Besucher ist die sinnvollste Annäherung an den Standort eine Kombination aus drei Schritten: zuerst das Haus von außen betrachten, dann die Gedenktafeln lesen und schließlich im Stadtarchiv oder im Münchner Stadtmuseum die historischen Fotografien und Pläne konsultieren. So lässt sich das Bild rekonstruieren, das der Regina Palast zwischen 1908 und 1944 abgegeben hat.

Regina Palast im Münchner Stadtbild: Nachbarschaft am Maximiliansplatz

Der Maximiliansplatz gehört zu den am dichtesten mit Geschichte belegten Plätzen Münchens. Er entstand im 19. Jahrhundert als Teil eines großzügigen Stadtforums, in dem Verwaltung, Kultur und Wohnen zusammen gedacht waren. Die wichtigsten Nachbarn des Regina Palast verdeutlichen, warum der Standort so attraktiv war:

  • Die Bayerische Staatsoper am Max-Joseph-Platz, ein paar hundert Meter westlich, war einer der wichtigsten Publikumsmagneten für ein Hotel mit Ballsälen.
  • Die BayernLB und weitere Bankhäuser an der Maximilianstraße sorgten für eine dichte Präsenz von Geschäftsreisenden.
  • Das Nationaltheater und die Residenz machten den Standort für ein kulturell interessiertes Publikum interessant, das in der Stadt übernachten wollte.
  • Die Maximilianstraße mit ihren Boutiquen und Galerien galt schon vor dem Ersten Weltkrieg als eine der ersten Adressen für gehobenen Konsum.

Wer den Regina Palast im Kontext dieser Nachbarschaft versteht, erkennt, warum gerade dieses Haus zwischen 1908 und 1938 zu einem Knotenpunkt des städtischen Lebens wurde. Die räumliche Nähe zu Oper, Banken und Verwaltung erklärte den Publikumsverkehr, der wiederum die Ballsaison, die Tanztees und die Sonderveranstaltungen trug.

Regina Palast und Film: Drehort der frühen Bundesrepublik

Die Verbindung des Hauses zur Filmgeschichte ist kein Zufall. München entwickelte sich nach 1945 zu einem der wichtigsten Drehorte der westdeutschen Filmproduktion, weil viele Studios in Berlin und Babelsberg zerstört oder schwer beschädigt waren. Die Bavaria Film AG baute in Geiselgasteig eine neue Infrastruktur auf, gleichzeitig nutzten Produktionen die reale Stadt als Kulisse. Der Regina Palast bot in dieser Phase zwei Vorteile: Seine Innenräume konnten als Drehkulisse dienen, und seine teilweise zerstörte Fassade lieferte die gewünschte Nachkriegsästhetik. Eine ausführliche Einordnung des Hauses als Drehort bietet der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag zum Regina-Palast-Hotel, der die wichtigsten Stationen zwischen 1908 und 1975 zusammenfasst.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten filmischen Bezüge des Hauses zusammen, die sich aus den Archiven rekonstruieren lassen.

Zeitraum Produktion / Drehphase Bedeutung für das Haus
1946 bis 1949 Dreharbeiten zu Zwischen gestern und morgen mit Hildegard Knef Erste filmische Nachkriegsnutzung, prägte das Bild des halbzerstörten Hauses
1950er Jahre Verschiedene Münchner Produktionen nutzten den Vorraum und die Halle Belegte die anhaltende Drehorteignung
1970er Jahre Fernsehproduktionen der neuen Münchner Sender Nutzen das Haus als historische Kulisse für Szenen der Vorkriegszeit
Heute Archivmaterial in Filmmuseum und Stadtarchiv Dokumentiert das Stadtbild im Wandel

Damit ist der Regina Palast heute auch ein Gegenstand der Filmgeschichtsschreibung. Wer sich für die Trümmerfilme der unmittelbaren Nachkriegszeit interessiert, kommt am Maximiliansplatz 5 nicht vorbei, ohne die Drehorte dieser frühen Produktionen zu streifen.

Wissenschaftliche Einordnung: Warum der Regina Palast in Architektur und Stadtforschung eine Rolle spielt

Die Stadt- und Architekturforschung Münchens behandelt den Regina Palast in mehreren Zusammenhängen. Erstens steht das Haus als Beispiel für die Hotelpaläste der Jahrhundertwende, die das Bild der Münchner Innenstadt zwischen 1890 und 1914 entscheidend prägten. Zweitens ist die Umnutzung 1975 ein typischer Fall der Nachkriegsmodellierung: Repräsentative Vorkriegsbauten wurden zu funktionalen Bürohäusern umgebaut, sobald die wirtschaftliche Erholung eine solche Modernisierung erlaubte. Drittens ist die Rolle des Hauses in der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg Gegenstand der zeithistorischen Forschung, weil der Standort am Maximiliansplatz zentral für die städtische Selbstinszenierung war.

Für die Forschung ist es dabei weniger das Gebäude selbst als die Aktenlage, die den Regina Palast interessant macht. Die Pläne von Franz Lukas, die Korrespondenz der Familie Seethaler und die Hotelkorrespondenz der Familie Volkhardt sind im Stadtarchiv München und in Teilen im Bayerischen Wirtschaftsarchiv zugänglich. Sie erlauben detaillierte Aussagen zu Bauablauf, Ausstattung und Tagesgeschäft eines Münchner Großhotels in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Praktische Hinweise für den Besuch am Maximiliansplatz

Wer den Standort des einstigen Regina Palast heute besuchen möchte, sollte sich auf das konzentrieren, was tatsächlich sichtbar ist. Eine kleine Besuchsliste hilft, den Rundgang sinnvoll zu strukturieren.

  • Adresse aufsuchen: Maximiliansplatz 5, 80333 München. Das Haus liegt in der Fußgängerzone und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.
  • Gedenktafeln lesen: Sie geben einen kompakten Überblick über die Hotelgeschichte und die prominente Belegung 1938.
  • Vorbau und Portal fotografieren: Nur dieser Teil des Originalbaus ist noch im Straßenbild sichtbar.
  • Stadtarchiv oder Stadtmuseum besuchen: Für die vertiefte Recherche lohnen sich die Bestände zur Hotel- und Stadtgeschichte.
  • Filmmuseum München: Hier liegt Archivmaterial zu den Dreharbeiten, die am Regina Palast stattfanden.

Ein Besuch am Maximiliansplatz lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Max-Joseph-Straße, den Hofgarten und die Residenz verbinden. Wer die Architektur der Münchner Innenstadt lesen kann, erkennt im Vorbau des Hauses noch den Rhythmus der Gründerzeit, auch wenn die Fassade nicht mehr original ist.

Regina Palast im Vergleich mit anderen Münchner Hotels der Jahrhundertwende

Um die besondere Rolle des Regina Palast besser einordnen zu können, hilft der Blick auf andere Münchner Häuser der Zeit. Vier Beispiele zeigen, wie sich das Hotel in das Netz der Münchner Luxushotellerie einfügte.

Haus Standort Eröffnung Charakter
Regina Palast Maximiliansplatz 5 1908 Ballsaal, Jazz, Bälle, Verbindung zu Politik
Hotel Vier Jahreszeiten Maximilianstraße 17 1858 Klassisches Grandhotel, Promenadennähe
Hotel Bayerischer Hof Promenadeplatz 2 1841 Treffpunkt von Politik, Kultur und Wirtschaft
Hotel Continental Max-Joseph-Straße 11 1890er Mittelständisches Haus, Geschäftsreisende
Hotel München am Marienplatz Marienplatz Mehrere Phasen Stadthotel mit einfacherem Profil

Diese Übersicht zeigt, dass der Regina Palast mit seiner Mischung aus Ballsälen, Jazzkonzerten und politischer Prominenz ein eigenständiges Profil hatte. Er war weder das exklusivste Haus der Stadt noch ein bloßes Geschäftsreisenhotel, sondern ein Haus, in dem sich das gesellschaftliche Leben Münchens verdichtete.

FAQ: Häufige Fragen

Wann wurde der Regina Palast in München gebaut?

Die Bauarbeiten am Regina Palast liefen 1907, eröffnet wurde das Haus 1908. Bauherr war die A. Seethaler GmbH des Hoteliers Alois Seethaler, der architektonische Entwurf stammte von Franz Lukas, der zu dieser Zeit für die Bauunternehmung Karl Stöhr tätig war.

Wer hat den Regina Palast geplant und gebaut?

Geplant wurde das Haus von dem Architekten Franz Lukas, der gleichzeitig die Ausführung als Mitarbeiter der Bauunternehmung Karl Stöhr übernahm. Bauherr war die A. Seethaler GmbH des Hoteliers Alois Seethaler, der zuvor das Hotel Axelmannstein in Bad Reichenhall geführt hatte.

Was war das Besondere am Regina Palast zwischen 1924 und 1938?

In dieser Zeit entwickelte sich das Haus zu einem der kulturellen Mittelpunkte Münchens. Im April 1924 wurde von hier die erste Jazz-Sendung in einem deutschen Radiosender übertragen. In den 1920er und 1930er Jahren fanden im Regina Palast regelmäßig Veranstaltungen des Tanzsportvereins Gelb-Schwarz-Casino und der Chrysanthemenball statt. 1938 logierte die britische Delegation um Neville Chamberlain im Haus.

Was ist vom Regina Palast heute noch zu sehen?

Heute sind vor allem der Vorbau mit dem Eingangsportal an der Ecke Maximiliansplatz/Max-Joseph-Straße, Teile der Seitenflügel und Gedenktafeln am Haus erhalten. Die prunkvolle Hauptfassade von 1908 wurde nach dem Bombentreffer 1944 nicht wiederhergestellt. Das Haus wird heute als Bürogebäude mit Gastronomie unter dem Namen Haus Regina genutzt.

Warum war der Regina Palast 1938 wichtig für die Geschichte des Münchner Abkommens?

Die britische Delegation unter Premierminister Neville Chamberlain, die zu den Verhandlungen über die sudetendeutschen Gebiete nach München kam, war im Regina Palast untergebracht. Die Verhandlungen selbst fanden im Führerbau statt, aber die Logistik und die Pressearbeit der Delegation liefen über die Adresse am Maximiliansplatz. Damit ist der Name Regina Palast dauerhaft mit dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938 verknüpft.

Welche Rolle spielte der Regina Palast für die frühe Münchner Filmgeschichte?

1946, kurz nach dem Wiederaufbau, wurden im Regina Palast Teile des Films Zwischen gestern und morgen mit Hildegard Knef gedreht. Das Haus diente in den folgenden Jahren als Drehort für weitere Münchner Produktionen, die das Stadtbild der Nachkriegszeit dokumentierten.

Wer hat das Hotel nach dem Umbau 1975 übernommen?

Mit dem Umbau zum Haus Regina 1975 endete die Hotelnutzung. Das Gebäude wurde als Bürohaus mit Gastronomie neu aufgestellt, der Name Regina blieb am Eingang erhalten. Eigentümer und Betreiber wechselten seitdem mehrfach, das Haus wird aktuell gewerblich und als Bürostandort genutzt.

Welche Quellen sind für die Recherche zum Regina Palast am ergiebigsten?

Die wichtigsten Quellen sind das Stadtarchiv München, das Münchner Stadtmuseum, das Bayerische Wirtschaftsarchiv und die firmengeschichtlichen Bestände der Familie Seethaler und Volkhardt. Für die Drehgeschichte ist das Filmmuseum München mit seinen Beständen zur frühen westdeutschen Produktion eine wertvolle Anlaufstelle. Wer die Baugeschichte vertiefen will, findet in der Bayerischen Architekturzeitschrift zeitgenössische Berichte zu Franz Lukas und Karl Stöhr.

Wurde der Regina Palast im Zweiten Weltkrieg zerstört?

Das Haus wurde 1944 bei einem alliierten Bombenangriff getroffen. Die Hauptfassade wurde vollständig entfernt, Teile des Vorbaus und der Seitenflügel blieben stehen. Der Wiederaufbau ab 1946 setzte auf eine vereinfachte Fassade; das ursprüngliche Erscheinungsbild ließ sich nicht mehr herstellen.

Was bedeutet der Name Regina Palast heute in München?

Der Name steht heute weniger für ein bestehendes Hotel als für ein Stück Münchner Stadtgeschichte. Erinnerungskultur, Architekturforschung, Filmgeschichtsschreibung und Stadtführungen greifen den Namen immer wieder auf, um die Zeit zwischen 1908 und 1975 an einem konkreten Haus festzumachen. Wer den Namen hört, denkt an Tanztees, an das Münchner Abkommen und an frühe Nachkriegsdrehs.

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